„Authentisch und sehr offen“

Ralf Stegner zu Besuch im Café International des Buchholzer Bündnis’ für Flüchtlinge

Die ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Silva Seeler (von links), die Vorstandsmitglieder des Bündnis für Flüchtlinge Gudrun Schwab, sowie Ute Schui-Eberhart (von rechts) und Wilfried Bolte begrüßen die SPD-Politiker Martin Gerdau (dritter von links) und Ralf Stegner

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt ihn schon seit seiner Zeit als Innenminister von Schleswig Holstein. So gesehen betrat Ralf Stegner, Landes- und Fraktionsvorsitzender der SPD des nördlichsten Bundeslandes, bei seiner Stippvisite des Café International vertrautes Terrain. Und auch sein Job schien Routine: Wahlkampfhilfe für Martin Gerdau leisten, der für die Buchholzer SPD in den Landtag einziehen möchte.

Und so kritisierte Stegner, der zum linken Flügel der SPD gerechnet wird, in seinem Eingangsstatement erst einmal den Koalitionspartner: Gerade in Fragen der Integration „gibt es in der großen Koalition nicht viel Einigkeit“. Mahnte, dass „wenn Europa nicht lernt zu teilen, wir Frieden und Wohlstand verlieren werden“. Und betonte: „Wir sollten nicht Flüchtlinge bekämpfen, sondern Fluchtursachen.“ So weit, so bekannt.

Und doch: Von Wahlkampfroutine konnte beim Ortstermin keine Rede sein. Im Gegenteil. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Bündnis für Flüchtlinge, Wilfried Bolte, und Landtagskandidat Gerdau entwickelte sich der Ortstermin zu einem intensiven Dialog. Was nicht zuletzt an den Fragen aus dem rund 60 Gäste zählenden bunt gemischten Publikum lag.

So kritisierte etwa Bündnis-Vorstand Dieter Schweisfurth die Subventionspolitik der Europäischen Union, die für die Bauern Afrikas katastrophale Auswirkungen habe. Stegner verwies darauf, dass Handel und Verbraucher in Deutschland enormen Druck auf die Lebensmittelpreise ausübten. Die Menschen in der Landwirtschaft müssten aber von ihrer Arbeit leben können, dafür bedürfte es realistischer Preise für ihre Erzeugnisse. Folglich brauche das Land „eine andere Landwirtschaftspolitik“.

Ein großes Thema für die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer: Die Abschiebepraxis der Bundesregierung nach Afghanistan. Stegner bezog in dieser Frage klar Stellung: „So lange die Verhältnisse in diesem Land so sind, wie sie sind, darf es keine Abschiebung geben.“ Flüchtlinge aus Afghanistan sollten Bleiberecht bekommen. Immerhin: Die Härtefallkommission sei laut Stegner liberaler geworden.

Zur Sprache kam auch der immer wieder von allen Seiten beklagte Fachkräftemangel. „Handwerker werden händeringend gesucht“, weiß Martin Gerdau aus eigener (Arbeitsplatz-)Erfahrung. Die Lösung des Problems sei, da waren sich alle einig, alles andere als einfach. Entscheidende Kernkompetenz seien gute Deutschkenntnisse. Dafür brauche es Lehrer. „Und die müssen wir vernünftig bezahlen“, sagte Stegner. Aber auch die Familien müssten mitziehen und mehr Deutsch miteinander und insbesondere mit ihren Kindern sprechen.

Knapp zwei (!) Stunden währte der Gedankenaustausch. Dann musste Stegner – wir haben Wahlkampf – zum nächsten Termin. Bündnis-Vorsitzender Wilfried Bolte zog eine positive Bilanz. „Wir haben einen sehr authentischen Politiker erlebt und ein sehr offenes Gespräch geführt.“ Sein Wunsch: „Wir würden das gerne mit anderen Politikern der im Bundestag vertretene Parteien fortführen.“