Ein Leben für die Integration

Nachruf auf Ute Schui-Eberhart 

Als sich im Frühherbst 2013 abzeichnet, dass mehr Flüchtlinge ins Land und auch in den Landkreis Harburg kommen, macht Ute Schui-Eberhart was sie immer tut wenn Menschen in Not sind. Hilfe organisieren. Gemeinsam mit dem heutigen Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse sowie zahlreichen Unterstützerinnen und Freunden gründet die Buchholzerin das Bündnis für Flüchtlinge. „Sie war Initiatorin und Motor und hat höchst engagiert unsere Arbeit geprägt“, sagt der Vorsitzende des Bündnis’, Wilfried Bolte. „Ute stand selten im Rampenlicht, aber sie war immer für andere da“, betont ein langjähriger Begleiter, „bei ihr waren die für unsere Gesellschaft so wichtigen Ressourcen Solidarität und Engagement im Übermaß vorhanden.“  

Schui-Eberhart, die 1941 in Bonn das Licht der Welt erblickte, arbeitet zunächst für den Deutschen Entwicklungsdienst in Asien und Afrika. Diese Zeit prägt sie, schärft ihren Blick für die Not – vor allem für die der Frauen in der so genannten Dritten Welt. „Ute hat immer einen besonderen Draht zu diesen Menschen gehabt,“ sagt die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Martha Vogelsang, „das war ihr Antrieb.“
 
Mitte der 80er Jahre kommt Ute-Schui Eberhardt mit ihrem Mann Herbert Schui und Sohn Florian nach Buchholz. Beim Diakonischen Werk arbeitet sie in der Kinder- und Jugendarbeit, baut die Migrationsberatung auf, gründet den Internationalen Frauentreff, engagiert sich in der Kirche. Neben ihrer Arbeit gibt sie an der Volkshochschule Deutschkurse für Ausländer. Und als  Anfang der 90er Jahre Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien vor dem Krieg fliehen und in Buchholz stranden, organisiert Schui-Eberhart ganz selbstverständlich mit einer Gruppe couragierter Bürgerinnen und Bürger Schutzwachen vor Buchholzer Flüchtlingsunterkünften. Spätestens hier, in Buchholz,  findet sie, man darf es wohl so sagen, in der Arbeit mit Migrantinnen und Migranten ihre Bestimmung.

In der Stadt organisiert sie als Mitarbeiterin der Diakonie Integrationskurse. Und weil sie weiß, dass „Sprache der Schlüssel zur Integration“ ist, setzt sie durch, dass Deutschkurse an der Volkshochschule kostenlos angeboten werden. In den 90er Jahren profitieren insbesondere Russlanddeutsche davon. Der Internationale Frauentag am 8. März wird unter der Regie von Schui-Eberhart zum Fest- und Feiertag für Migrantinnen. Beim Internationalen Frauentreff bringt sie Alt-  und Neu-Buchholzerinnen zusammen, organisiert mit dem Frauentreff für die Stadtfeste einen Stand, dessen kulinarisches Angebot regelmäßig zum Besten gehört was man auf der größten Party der Stadt finden kann. Und sie schafft, was nur wenigen gegeben ist – sie begeistert Menschen fürs Ehrenamt. Auch in der Politik mischt sie mit, sitzt für die SPD von 1996 bis 2011 im Stadtrat, führt von 2001 bis 2006 – was auch sonst – den Vorsitz im Sozialausschuss. 

Ihr Engagement trägt sie ohne Bruch vom Arbeits- ins Rentnerleben. „Im Grunde genommen hat sie einfach ehrenamtlich weitergearbeitet“, sagt ein Wegbegleiter. Immer im Fokus dabei: Die Sprachförderung und – zugleich – die Forderung an die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, sich zu engagieren und die Werte unserer Gesellschaft zu leben. Nicht zuletzt die Gleichstellung von Frau und Mann. Fördern und Fordern ist das Motto von Ute Schui-Eberhart.

Ihr Engagement kann 2015 auch eine schwere Krankheit nicht bremsen. Noch während der Rekonvaleszenz nimmt sie ihre Arbeit wieder auf. Im Jahr darauf wird sie Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt. „Ute Schui-Eberhart ist das Gesicht für die gelebte Willkommenskultur unserer Stadt“, lobt Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse in seiner Laudatio. „Ihre Stimme hat Gewicht in der Flüchtlingshilfe, ich weiß, dass ich auf ihr Netzwerk und ihr Engagement bauen kann.“

Das gilt auch noch, als ihr Mann Herbert im Sommer des gleichen Jahres stirbt. Ihre Familie und ihr Engagement helfen. Gegen den Verlust, gegen den Schmerz. Im vergangenen Jahr erkrankt sie erneut schwer. Sie kämpft. Gegen den Krebs. Und sie kümmert sich. Um Menschen, die sich – immer noch – in ihrer Not an sie wenden. In der Nacht des 18. Januar stirbt Ute Schui-Eberhart friedlich im Beisein ihrer Familie.

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